Legasthenie Training

Laure Mortelier, MSc

Was versteht man unter Legasthenie?

Legasthenie ist in der Alltagssprache der Oberbegriff für Lesestörung, Rechtschreibstörung bzw. Rechtschreibschwäche oder für beides auf einmal. Die Kinder haben eine normale bis erhöhte Intelligenz und können trotzdem nicht richtig lesen,haben Verständnisprobleme oder lesen zu langsam (Lesestörung). Probleme können auch beim Schreiben vorkommen (Rechtschreibstörung) oder in beiden Bereichen gleichzeitig (Lese- und Rechtschreibstörung - LRS)(ICD10, Warnke, Hemminger, Roth & Schmeck, 2002).

Die Probleme sind weder auf eine mangelhafte Schulung noch auf körperliche Beschwerden zurückzuführen (ICD10, Warnke et al., 2002).

Die Forschung hat gezeigt, dass ein genetischer Faktor eine Rolle spielt (Schleider, 2009).

Wie erkennt man Legasthenie?


- Verwechslung gewisser Buchstaben (M/N - O/U - B/P - E/I - EI/IE - G/K - P/Q - usw...)
- Abschreiben ist schwierig und fehlerhaft
- Weglassen von Wortteilen oder ganzen Wörtern beim Lesen oder Schreiben
- Reihenfolge von Buchstaben wird vertauscht
- Erraten des Wortes beim Lesen oft mit ähnlichen Wörtern verwechselt (statt ahnen wird Ahnung gelesen usw...)
- Orthographische Regeln werden nicht eingehalten
- Schriftbild ist groß und wirkt unruhig bis unordentlich
- Langsames Lesen
- Geringes oder ungenaues Leseverständnis
(Gasteiger-Klicpera, Schabmann & Gasteiger-Klicpera, 2013)

Durch Tests und Screenings kann eine Legasthenie Rechtschreibstörung oder -schwäche entdeckt werden. Vor der 3. Klasse VS wird von Risikogruppen gesprochen, ab der 3. Klasse VS kann man die Legasthenie diagnostizieren.
Je früher ein Training beginnt, desto besser. Wichtig ist, dass Hör- und Sehtests vorher durchgeführt worden sind. So können körperliche Beschwerden ausgeschlossen werden.

Legasthenie wächst sich nicht aus. Ein gutes Training jedoch hilft die Schwäche langsam zu reduzieren und führt so zu Erfolgen. Die Ergebnisse des Screenings sind für das Herstellen eines Trainingsplans unerlässlich. In der Tat werden so die Bedürfnisse des Kindes genau wahrgenommen. Das Kind übt, ohne überfordert zu sein. Mit dem Test wird die Stufe der sprachlichen Entwicklung festgelegt und von dort das Training angepasst. Hausübungen sichern den Erfolg langfristig und gehören zum Training dazu. Wer zu Hause noch ein bisschen übt, verkürzt die Trainingszeitspanne (Reuter Liehe, 2008).

Evaluierte Programme und Methoden (wie z.B. Reuter Liehr, Kieler, Morpheus usw…) begleiten das Kind durch die vier Phasen der sprachlichen Entwicklung (nach Frith, 1985).

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die logographemische Stufe =
Erkennen, dass Buchstaben mit Lesen und Schreiben zu tun haben /Richtiges Hören, Lautdifferenzierung, Reime bilden können usw..
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die alphabetische Stufe =
Buchstaben - Lautzuordnung, lauttreue Rechtschreibung und synthetisches Lesen
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die orthographische Stufe =
Beachten der Rechtschreibregeln (Groß- und Kleinschreibung, Doppelung, St/Sp, ie, ß usw..), direktes Lesen
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die morphematische Stufe =
Schwierige Wörter (Stummes H, ie, Doppelung usw...) werden mit Wortstämmen und Wortfamilien erlernt, flüssiges automatisiertes Lesen

Bei allen Stufen wird auf das Leseverständnis geachtet!